Hier sind zwei Reiseberichte zum Ghana-Austausch 1997.
Bericht 1:
Nach 20 erlebnisreichen Tagen landeten die 13 Schwerter Pfadfinder am
11.08.97 wieder in Dortmund.
Trotz der im Vorfeld sehr intensiven Vorbereitung, erlebten alle
Teilnehmer eine Reihe von Überraschungen.
Nach einem kurzen Zwischenstopp in Accra und Ho erreichte die Gruppe
nach etwa zwei Tagen Hohoe.
Hier waren die Teilnehmer in einer Schule untergebracht. Nach einer
kurzen Erfrischungspause fand in Atabu dann eine große
Willkommensfeier mit Trommeln und Tanzen statt.
Von Hohoe aus wurde dann eine Woche lang die Gegend erkundet, auf den
beiden Baustellen mitgearbeitet und Kontakte zu den Jugendlichen
hergestellt.
Darüber hinaus fand ein Fußballspiel statt - das mit einheimischer
Hilfe 2:1 gewonnen wurde-, ein Hajk zu einem etwa 60 Meter hohem Wasserfall,
der höchste Berg Nordafrikas wurde bestiegen,...
Nach acht erlebnisreichen Tagen hieß es dann Abschied nehmen.
Die Projektleiter in beiden Dörfern versicherten den Pfadfindern, daß
bis zum Jahresende die vier Gebäude fertiggestellt sein würden.
In den nächsten Wochen werden die Pfadfinder nun erst einmal die
vielfältigen Eindrücke sortieren und verarbeiten müssen.
Bericht 2:
Die Schwerter Pfadfinder
Schwerte - Dortmund - Amsterdam - Accra - und zurück
Wer uns im Fernsehen gesehen hat, soll jetzt nicht glauben, daß
mittlerweile auch die Schwerter Pfadfinder last-minute-Angebote für
ihre Sommerläger nutzen.
Beim Einchecken am Flughafen in Dortmund - Wickede wurden wir von
einem wohl etwas irregeleiteten aber durch unser pfadfinderisches
Outfit magisch angezogenen
WDR-Lokalreporter gefilmt und noch am gleichen Abend im
Lokalfernsehen zum Thema "last-minute-Flüge" auf Sendung geschickt.
Dabei wollten wir "nur" unsere Projektpartner in GHANA / WEST-AFRIKA
besuchen; und das auch nicht in letzter Minute,
sondern wir hatten unsere Reise seit mindestens einem halben Jahr
intensivst vorbereitet.
Aber nun waren alle Strapazen vergessen und keiner wollte dem
Fernseh-Reporter einen richtigstellenden Kommentar liefern.
WIR waren auf dem Weg nach AFRIKA!!! Dort wollten wir unsere beiden
Partnerdörfer in der Nähe des Volta-Stausees besuchen, persönliche
Kontakte zu den Leuten vor Ort knüpfen
und natürlich einmal nachschauen, ob es "da unten" auch schon oder
noch Pfadfinder gibt.
Nach einer zweitägigen Bustour (wir hatten für die drei Wochen einen
Schulbus und unseren unverwechselbaren Driver Francis) erreichten wir
Gbi-Atabu - eins der beiden Partnerdörfer.
Eigens für uns hatten dort die Dorfbewohner eine riesige
Welcome-Party organisiert, bei der wir zu Ehrenbürgern!! des Dorfes
ernannt wurden.
Reden wurden in English und anschließend in Ewe, einer ghanaischen
Stammessprache, im wahrsten Sinne des Wortes geschwungen.
Was natürlich auf keinen Fall bei solch einer Feier fehlen durfte war
der Programmpunkt "Drumming" (davon gab es vier oder fünf) und nach
dem offiziellen Teil der Zeremonie
mußten auch wir uns zu den Trommel-Rhythmen mehr schlecht als recht "bewegen".
Glücklicherweise konnten wir uns jedoch schnell zu den
obligatorischen refreshments retten.
Diese Erfrischungen bestanden in der Regel aus Palmwein für die
Dorfbewohner und gut gekühltem Bier für uns.
So ging unser erster richtiger ghanaischer Tag zuende und wir nahmen
an, daß wir am nächsten Tag die von uns und dem BMZ finanzierten
Ausbildungswerkstätten und
Versammlungshäuser besichtigen und feierlich eröffnen könnten.
Tja, das hatten wir angenommen, doch leider war das überwiesene Geld
beim Bischof ziemlich lange hängengeblieben und hatte so erst kurz
vor uns die beiden Dörfer erreicht.
Verständlicherweise standen daher auch erst die Fundamente von einem
Gebäude in jedem Dorf.
Für uns ergab sich dadurch die einmalige Gelegenheit, die nächsten
drei Tage auf ghanaischen Baustellen mitzuarbeiten.
Gemeinsam mit den Jugendlichen aus den Dörfern haben wir weitere
Fundamente gegossen, Steine hergestellt und in brauchbaren Ansätzen
gelernt, Wasser und Sand auf dem Kopf zu tragen.
Und ob ihr es nun glaubt oder nicht, in Fodome-Helu (unserem anderen
Partnerdorf) trafen wir unsere ersten ghanaischen Pfadfinder bzw.
eine Pfadfinder-Familie (Vater, Mutter und Sohn).
Es gibt sie also überall! - in Ghana allerdings momentan nur etwa
2000. Ganz Pfadfinder hatten die Drei dann auch für uns ein Adventure
der besonderen Art vorbereitet, nämlich auf den höchsten Berg
Nordafrikas zu steigen. Natürlich wollten wir uns nicht lumpen lassen und nahmen die
Herausforderung an, in subtropischem Klima den Berg (teilweise auf
allen vieren) zu erklimmen.
Und trotz vorherigem Kopfschütteln und heftigem Abraten von unserem
treusorgenden Francis, erreichten fast alle (drei von uns erlagen
leider den heftigen klimatischen Verhältnissen)
den Gipfel und durften die geniale Landschaft von oben genießen.
Als Bonbon gab es für die Besteigung ein Zertifikat, welches
zumindest in Afrika für die Wood-Badge-Ausbildung nötig ist.
Ob dies als gute oder schlechte Idee von uns einzelnen gewertet
wurde, hing nicht zuletzt davon ab, ob man oben gewesen war oder nicht!
Außerdem sind wir zu einem etwa 60m hohen Wasserfall gewandert
(Einheimische meinen, er sei der schönste der Gegend) und natürlich
sind wir von den Jugendlichen zum
pflichtgemäßen Fußballspiel herausgefordert worden. Mit mehr Glück
als Verstand und einheimischer Unterstützung haben wir dann sogar 2:1
gewonnen.
Neben diesen herausragenden sportlichen Aktivitäten fanden immer
wieder Gespräche mit den Hauptverantwortlichen in den Dörfern statt.
Baupläne und weitere Finanzierungsmöglichkeiten wurden besprochen,
sowie Pläne für die zukünftige Zusammenarbeit und Partnerschaft geschmiedet.
Nachdem wir nun 12 interessante und erfolgreiche Tage in Gbi-Atabu
und Fodome-Helu erlebt hatten, hieß es Abschied nehmen.
Letzte Adressen wurden ausgetauscht und dann ging es zum Relaxen zur
Küste nach Keta.
Deutlich wurde hier nochmal wie auch in der Hauptstadt Accra, daß
unsere Idee der Projektpartnerschaft die richtige ist.
Durch einkommenschaffende Maßnahmen soll den Jugendlichen eine
Lebensperspektive in den Dörfern geschaffen werden,
so daß sie in den Dörfern bleiben und nicht in die größeren Städte
abwandern. Häufig rutschen sie dort in Prostitution oder Kriminalität ab.
In Keta wie in Accra haben wir gesehen, daß der Kampf zu überleben in
den Städten sehr hart ist und für die allermeisten das Leben in den
Slums der einzige und leider realistische Platz ist
und sich nicht der Traum von einem besseren Leben in der Stadt erfüllt.
Nach drei Wochen Sommerlager in Ghana gilt es nun für uns 13
Pfadfinder die vielfältigen Eindrücke und Informationen zu sichten
und zu sortieren, um Pläne für die Zukunft des Ghana-Projekts zu entwerfen.
Erste Überlegungen gibt es beispielsweise zu einer Ausstellung mit
Holzschnitzereien, die in einer Werkstatt von den Jugendlichen
hergestellt werden. Soweit erstmal aus Schwerte.