
Ein Reisebericht im Spannungsfeld zwischen Katapult und Pommes
bb
D A S K A T A P U L T

Eins von den Projekten, von denen man immer redet und die dann doch nix werden: ein mittelalterliches Katapult nachbauen! Genauer gesagt ein Blide, Trebuchet oder Treboc genanntes Gegengewichtskatapult mit beweglichem Gegengewicht. Wieder aufgelebt ist die Idee als idealer Workshop für eine sommerliche Herrentour nach Lüdinghausen.
Allerdings waren die Dinger im Original ziemlich groß... . Die Antwort dazu lieferte die allwissende Müllhalde mit der Seite von Ripcord. Dort war zu sehen, daß man auch eine Nummer kleiner anfangen kann. Obwohl ... soo klein ist auch langweilig.

Der Holzbestand des Schreiners hat es schließlich entschieden. Die Eschenbohle für den Wurfarm war 240cm lang und 6cm dick. Wäre eine Schande gewesen, da werweißwas abzuschneiden;-). Also würde der erste Versuch doppelt so groß werden, wie in der Anleitung.

Die Frage war allerdings, wie sich eine Verdoppelung der Größe auswirken würde. Getreu dem Motto "Probieren geht über Studieren" wurde in der Woche davor eine Zeichnung angefertigt, die die wesentlichen Konstruktionsmerkmale berücksichtigte und stabil genug wirkte. Am Freitag habe wurde dann eingekauft und vor der Abfahrt soviel vorbereitet, wie möglich, da wir in Lüdinghausen keinen Strom haben würden.

Wir haben es dank einer Handbohrmaschine und vereintem wissenschaftlichem, technischen und handwerklichem Sachverstand des versammelten Spezialistenteams dann tatsächlich geschafft, ein Katapult zu bauen. Zu unserem grenzenlosen Erstaunen funktionierte die Maschine sogar, auf Anhieb!

Will sagen, sie hielt, bewegte sich wie vorgesehen und warf nach vorn (nicht nach hinten oder oben). Enttäuscht waren nur einige von der Wurfleistung. Beim ersten Mal bewegte sich das gute Stück regelrecht in Zeitlupe.

Dieses Phänomen konnte allerdings von einem zufällig anwesenden diplomierten Physiker relativ schnell erklärt werden: bei einer Verdopplung der Größe wächst die Masse hoch 3, was in etwa eine Verachtfachung bedeutet.

Damit muss (kann:-)))) auch das Gegengewicht verachtfacht werden. Der Originalentwurf arbeitete mit einem Gegengewicht von 15 lbs, was in etwa 6,8 kg entspricht. Mal acht sind das knappe 55kg. Natürlich lassen sich damit dann auch etwas andere Nutzlasten bewegen. Noch keine Felsbrocken, aber bei der hier gewählten Konstruktion (Wurfarmverhältnis 3,5:1) sollten bis zu 750g drin sein *ggg*).

Leider hatten wir dafür nicht genug Gewichte mitgenommen. Als alles dranhing waren wir erst bei 25 kg und warfen damit unseren Referenzstein lediglich etwa 30m weit. Als Notlösung hingen wir schließlich noch eine schwere Kiste (geschätzte 15 kg) mit dran und siehe da: am Ende des Tages kamen wir mit unserem Referenzstein bereits an die 50m-Marke! Das waren dann schon ganz schöne Würfe:

Und da ist noch Musik drin! Perfekt müsste ein nochmals um ca. 15 kg erhöhtes Gegengewicht sein und aufgrund der Photos könnte es ratsam sein, die Schlingenlänge zu verkürzen. Aber das Feintuning machen wir beim nächsten Mal. Wie sind gespannt, was da noch rauszuholen ist. Ob es allerdings die 100m werden sei mal dahingestellt. Aber immerhin: für eine Woche Vorlaufzeit kann man nicht meckern. War schließlich unser erstes Katapult ;-).

Einen feindlichen Speer, wie auf der historischen Abbildung oben, hat übrigens keiner abbekommen, allerdings hatten wir gehörigen Respekt vor der Kuh ohne Euter, die plöztlich aus der harmlos wirkenden Gruppe Milchvieh, mit der wir bis dahin friedlich unser Testgelände geteilt hatten, zielstrebig auf uns zu kam. Nach einigem taxieren konnten wir uns glücklicherweise auf unentschieden einigen und jeder ging wieder seiner Tätigkeit nach... .
bb
D I E P O M M E S
Neben dem Bau des Katapultes harrte noch eine weitere anspruchsvolle Aufgabe ihrer Lösung. Bei der Planung des Abendessens war die Mehrheit der Anwesenden zu dem Schluss gekommen: PCM soll es sein. Da am Abend zuvor bereits gegrillt worden war, stellte die Currywurs keine wirkliche Herausforderung dar. Die Herstellung frischer, heißer, knackiger pommes frités in ausreichender Menge hingegen, warf allerdings Fragen auf, zumal als Wärmequelle lediglich ein offenes Feuer zur Verfügung stehen würde.

Beim Einkaufen taten Schwarzbart und der Hasenmann dann allerdings einen echten Glücksgriff: ein Spargeltopf! Eines von den Dingen, bei denen man sich immer fragt, warum zur Hölle jemand so einen Blödsinn kaufen soll, ist der Spargel im normalen Topf doch bisher immer vorzüglich gelungen und heraus bekam man ihn auch ohne Siebeinsatz. Sollte jemand hingegen auf offenem Feuer fritieren wollen (aufgepasst: GEFAHR!), sei ihm ein solcher Topf jedoch ans Herz gelegt.

Da er so schön hoch ist, ist die Gefahr, daß die Flammen ins Fett schlagen einigermaßen überschaubar (zumal wenn man darauf achtet, auf Glut zu kochen und nicht auf einem hochlodernden Feuer!) und die Pommes werden ganz vorzüglich! Diese Art der Zubereitung sollte trotzdem ausschließlich Erwachsenen vorbehalten bleiben, da sie trotz allem nicht ganz ungefährlich ist, da so etwas

passieren kann (hier für ein Foto gestellt). Ihr wollt Euch sicher nicht selbst fritieren!
Insgesamt ein rundes und erlebnisreiches Wochenende, das - ähnlich dem winterlichen - zur Gewohnheit werden könnte. Nächstes Mal unter dem Motto: im Spannungsfeld zwischen schalem Bier und schattigem Biergarten.
Vielen Dank dem Hasenmann für die Fotos!
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